Bost Berlin
Parkinn Hotel Alexanderplatz, Berlin Technik, wo sie nützt

Surfen im Internet am Pool - Konferenzen aus dem Hotelzimmer, Börsenkurse auf der Toilette - alles kein Problem, alles schon da gewesen. Die Technik macht's möglich. Was vor Jahren noch als Aufsehen erregendes Alleinstellungsmerkmal taugte, ist heute bereits Standard.

Beispiel WLAN. Der drahtlose Internetzugang ist vor allem im Tagungsbereich inzwischen ein Muss. Ein Drittel der Kongress- und Tagungsveranstalter macht ihre Entscheidung für ein Hotel von der Möglichkeit des schnurlosen Surfens abhängig.

Je rascher die technische Entwicklung voranschreitet, desto schneller schafft sie das Bedürfnis nach ihren Errungenschaften. Aber wonach soll sich der Hotelier richten und was muss er seinen Gästen bieten? Für Profis wie den Hotel-Designer Tassilo Bost ist die Sache klar: "Ein Hotelzimmer sollte ein Mindestmaß an technischem Komfort haben, den der Gast auch daheim hat." Da sollte der Gastgeber seine Gäste gut kennen. Denn nichts ist schlimmer als am Bedarf vorbei zu investieren. Kein Gast möchte sich im Hotel mit Geräten herumquälen, die ihn auch zu Hause zur Verzweiflung bringen.

Mein Gast, das unbekannte Wesen? Diesen näher kennen zu lernen zahlt sich allemal mehr aus als einfach den aktuellen Technik-Trends hinterher zu rennen. Wenn WLAN beginnt, sich in Privathaushalten breit zu machen, stellt sich die Frage, ob dieser Komfort im Hotel nicht fehlen darf?

Mancher Gast will gerade nicht, dass sich in seinem Zimmer ein WLAN-Hotspot befindet - aus Angst vor Elektrosmog. Man muss nicht die große Askese predigen, aber es ist klar: Die Abwesenheit von Dingen ist nicht immer ein Mangel. Weniger kann eben auch mehr sein. Denn gehört es für den Gast wirklich zum Urlaubsglück, wo immer er sich aufhält im Netz surfen zu können? Wer hat schon zwischen Badehose und Handtuch den Laptop im Gepäck?

Was für den einen Gastgeber ein Muss, kann für den anderen ein überflüssiger - und teurer - Ballast sein. Für den Business-Gast ist es eine Annehmlichkeit, seine Geschäfte entspannt in der Lounge zu tätigen, doch wer seine Ferien möglichst angenehm verbringen will, der hat eine völlig andere Vorstellung von Komfort.

Fest steht: Die Annehmlichkeiten der Technik müssen da geschaffen werden, wo sie auch etwas nützen, sprich: wo der Gast sie nutzt. Dann rechnen sie sich auch. Fest steht aber auch: Die hochwertigste High-Tech kann einen aufmerksamen und freundlichen Service nicht ersetzen.

Wolfgang Baumgärtner

AHGZ, 26.08.2006

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